ZeMKI Policy Paper No. 1: "Resilient Journalism After Platformization"
Abstract
Dieses Strategiepapier mit dem Titel „Resilient Journalism After Platformization: AI, Precarity, and Policy Pathways for Germany in Comparative Context“ identifiziert eine Kapazitätslücke als Kernproblem des zeitgenössischen Journalismus. Auch wenn sich Journalist:innen nach wie vor nachdrücklich zu einer demokratischen Berichterstattung bekennen, werden sie von den strukturellen Bedingungen ihrer Arbeit zunehmend eingeschränkt in dem, was sie tatsächlich leisten können. Ausgehend von dieser Diagnose entwickelt das Papier ein Rahmenkonzept für einen resilienten Journalismus, das die Ausrichtung auf das Gemeinwohl mit den Kompetenzen auf individueller, organisatorischer und gesellschaftlicher Ebene verknüpft, eingebettet in ein Akteursgefüge, das von Zielgruppen und Gemeinschaften bis hin zu Plattformen und Geldgeber:innen reicht. Die Analyse folgt vier miteinander verknüpften Druckvektoren: prekäre Arbeitsverhältnisse, Vermittlung durch Plattformen, KI-Transformation und die Finanzierungslücke für Berichterstattung im öffentlichen Interesse. Empirisch stützt sich das Papier auf eine im Jahr 2025 durchgeführte Umfrage unter mehr als tausend deutschen Journalist:innen in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Journalisten-Verband (DJV), ergänzt durch ausgewählte internationale Forschungsergebnisse, Vergleichsfälle und den rechtlichen Kontext. Die Empfehlungen priorisieren auf der Umfrage basierende Maßnahmen zu Arbeitsbedingungen und zur KI-Resilienz in Redaktionen und behandeln die Finanzierung im öffentlichen Interesse, die Koordination philanthropischer Aktivitäten sowie lokale Kommunikationsökosysteme als Gestaltungsansätze.
Über den Autor
Dr. Leif Kramp ist Medien- und Kommunikationswissenschaftler und Forschungskoordinator am Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung (ZeMKI) der Universität Bremen. Kramp ist Gründungsvorstandsmitglied des Vereins für Medien- und Journalismuskritik e.V., der die VOCER-Bildungsprogramme trägt. In seiner Arbeit verbindet er wissenschaftliche Analyse mit praktischer Projektzusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen, Medienorganisationen, Stiftungen und öffentlichen Institutionen. Er begleitet Transformationsprozesse in Redaktionen und Organisationen, analysiert strukturelle Veränderungen im Mediensystem und berät bei strategischen Entscheidungen zur digitalen Transformation. Kramp ist Autor und Herausgeber zahlreicher Fachbücher und Studien zur Transformation von Medien, Journalismus und Gesellschaft.
