Die römisch-katholische Kirche in Deutschland als politischer Akteur – Eine wissenssoziologische Diskursanalyse von Positionierungs- und Exklusionsprozessen
- Promotionsprojekt
„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“
Dieses Bibelzitat (Joh. 6,37) spiegelt das Selbstverständnis der christlichen Kirchen wider. Gleichzeitig positioniert sich die römisch-katholische Kirche (RKK) in Deutschland aktiv im aktuellen Demokratie-Diskurs und betont ihre Rolle als gesellschaftlicher Akteur, der demokratische Werte fördert. Ausdrücklich abgelehnt werden nationalistische bzw. rechtsextreme Positionen. In der Regel wird eine Ausgrenzung bestimmter Personen(gruppen) nicht explizit befürwortet, allerdings kann eine mögliche Exklusion nicht generell ausgeschlossen werden. So ist beispielsweise für die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) eine Mitgliedschaft in einer extremistischen Partei nicht vereinbar mit einem kirchlichen Haupt- oder Ehrenamt. Hier wird das Wohl einer spezifischen Staatsverfassung (Erhalt der Demokratie) über die Interessen der eigenen Glaubensgemeinschaft gestellt. Sie definiert dadurch ihre Rolle explizit als politischer Akteur und nimmt damit einen Kommunikationsabbruch zu den eigenen Mitgliedern in Kauf. Dies führt zu einer Verschmelzung von theologischen und (gesellschafts-) politischen Aspekten, die eine Veränderung der Voraussetzungen für die Gruppenzugehörigkeit nach sich ziehen.
In diesem Dissertationsprojekt wird mit Hilfe der Wissenssoziologischen Diskursanalyse untersucht, wie die RKK organisationale Grenzen zieht, diese nach innen und außen kommuniziert und welche Konsequenzen sich daraus für das Verhältnis der Institution zu ihren Mitgliedern ergeben. Der Fokus liegt dabei auf die öffentliche kommunikative Positionierung von Akteur*innen innerhalb der RKK, die auf verschiedenen organisationalen Ebenen agieren. Neben Veröffentlichungen der DBK des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK,) und der offiziellen Informationsplattform katholisch.de, werden die Bistümer Münster (NRW) und Görlitz (Sachsen) inkl. der dazugehörigen Pfarreien exemplarisch analysiert. In die Analyse werden neben den Homepages dieser Akteure auch deren jeweilige Social-Media-Kanäle einfließen.
Die Studie zielt darauf ab, Unterschiede in der Kommunikationspraxis gegenüber den verschiedenen Adressaten herauszuarbeiten, sowohl bezogen auf das jeweilige Medienensemble als auch auf die vermittelten Inhalte und Aussagen. Des Weiteren wird die Argumentationsstrategie der RKK gegenüber den beteiligten Akteuren analysiert, mit der Absicht, charakteristische Muster bezüglich der Legitimation eventueller Exklusionsprozesse zu identifizieren.
Anke Mikos
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