Philip Sinner im Deutschlandfunk zu Olympia 2026 – Warum diese Winterspiele medial ein großer Erfolg sind
23. Februar 2026
Gemeinsam mit Kevin Barth vom Deutschlandfunk hat ZeMKI-Mitglied Dr. Philip Sinner Milano Cortina d´Ampezzo 2026 besprochen und insbesondere die großen Erfolge der medialen Berichterstattung und Weiterverarbeitung aus kommunikations- und medienwissenschaftlicher Perspektive eingeordnet. Der Beitrag lief in der Sendung Sport am Sonntag im Deutschlandfunk.
Mit einer Schlussfeier in der Arena von Verona sind gestern, am 22. Februar 2026, die XXV. Olympischen Winterspiele zu Ende gegangen, die seit dem 6. Februar in Mailand und Cortina d’Ampezzo stattfanden. Insgesamt 2.917 Athletinnen aus 92 Ländern kämpften in 116 Entscheidungen um Gold, Silber und Bronze oder hatten einfach Freude daran dabei zu sein. Entgegen aller Befürchtungen waren die Wettkampfstätten pünktlich fertig und Cortina d’Ampezzo, Antholz, Bormio, Livigno und Predazzo boten mit tief verschneiten Landschaften eine fantastische Kulisse. Auch darüber hinaus gab es viele Überraschungen, sensationelle Erfolge und bittere Enttäuschungen, aber auch Verletzungen und Kontroversen: Der Sturz des haushohen Goldfavoriten im Eiskunstlauf, Ilia Malinin, zeigte, dass auch ein selbsternannter „Vierfach-Gott“ fallen kann. Die Verletzung von Lindsey Vonn und ihre Schmerzensschreie in der Übertragung werden lange unvergessen bleiben. Ebenso wie die Kontroverse um den Ausschluss des ukrainischen Skeleton-Piloten Wladislaw Heraskewytsch, die einen Schatten auf das Agieren des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wirft. Zugleich sahen die Spiele 2026 unglaubliche Leistungen: Mit 18 Goldmedaillen war Norwegen so erfolgreich wie niemals ein Land zuvor, Gastgeber Italien wuchs über sich hinaus und die Niederlande belegen in der Nationenwertung einen unglaublichen dritten Platz, wobei alle Medaillen im Eisschnelllauf und Shorttrack gewonnen wurden. Neben Gold im Eiskunstlauf für Mikhail Shaidorov ist sicherlich der Sieg von Lucas Pinheiro Braathen im Riesenslalom die größte Überraschung; erstmals gibt es bei Winterspielen eine Medaille für Brasilien und direkt ist diese golden. Und wie hat sich Deutschland geschlagen? Die Bilanz des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) fällt durchwachsen aus: Der Eiskanal mit Rodeln, Bob und Skeleton bleibt eine sichere Bank, mit insgesamt 19 von 26 Medaillen. Gold für Daniela Maier im Skicross und für Philipp Raimund von der Normalschanze sowie zweimal Silber für Emma Aicher in der Abfahrt und im Team-Wettbewerb sind große persönliche Erfolge. Aber gerade in den Nordischen und den Jüngeren Disziplinen klafft eine große Lücke. Mit insgesamt 26 Medaillen fällt die Ausbeute geringer aus als in Peking vor vier Jahren und das erklärte Ziel einer Positionierung unter den Top 3 der Nationen hat der DOSB deutlich verpasst.
Ganz anders sieht die mediale Bilanz der Spiele in Deutschland aus. Mit ARD, ZDF und Eurosport berichteten drei Sender live und in unzähligen parallelen Streams. Die Einschaltquoten und Klickzahlen waren durchwegs extrem hoch. Die Entscheidung im Doppelsitzer der Männer im Rodeln war die reichweitenstärkste Sendung und erhielt mit fast sieben Millionen Zuschauer:innen mehr Zuspruch als das parallel laufende DFB-Viertelfinale zwischen dem FC Bayern München und RB Leipzig. Enorme Reichweiten wurden zudem auch in den Sozialen Medien erzielt, mit ganz unterschiedlichen Angeboten und Inhalten. Im Kontext der Mediatisierung des Sports sorgten Hochgeschwindigkeits-Drohnen zudem für ganz neue und spektakuläre Bilder, die das Erlebnis Olympia nachhaltig verändert haben.
Der gesamte Beitrag von Sport am Sonntag kann auf der Seite des Deutschlandfunks nachgehört werden.
