Neues ZeMKI-Arbeitspapier Nr. 61 veröffentlicht
29. Juni 2026
Das neue Arbeitspapier von Prof. Dr. Lars de Wildt mit dem Titel „Cultural Hegemony in Videogames (and the rise of China)“ ist nun verfügbar.
Worum geht es?
In diesem Artikel wird argumentiert, dass kulturelle Hegemonie ein zentrales Konzept in der Spielwissenschaft war, um zu beschreiben wie im Laufe von dreißig Jahren, AAA-Videospiele sexistische, rassistische, kapitalistische, postkolonialistische, militaristische und US amerikanisch-zentrierte Weltanschauungen als „natürlich“ reproduziert haben, in denen männliche, weiße, cis-geschlechtliche und körperlich gesunde Subjektpositionen als „Standard“ präsentiert werden. Dies hat sich jedoch infolge dieses deskriptiven wissenschaftlichen Projekts nicht viel geändert hat. Zweitens wird argumentiert, dass kulturelle Hegemonie historischen Veränderungen unterliegt und dass sie im politischen und wirtschaftlichen Kontext ihrer jeweiligen Zeit verstanden werden sollte. Drittens, dass der politische und wirtschaftliche Kontext der letzten drei Jahrzehnte dazu geführt hat, dass immer weniger Spielehersteller immer stärkere Anreize erhalten haben, das zu reproduzieren, was Adorno und Horkheimer als „Gleichheit“ bezeichneten. Viertens, dass sich der politische und wirtschaftliche Kontext der kulturellen Hegemonie in den kommenden Jahrzehnten wahrscheinlich verändern wird und dass Videospiele einer der ersten Kulturbereiche sein werden, in denen die zunehmende Bedeutung chinesischer Akteure und der Politik ihres Staates die kulturell-hegemonialen Darstellungen beeinflussen wird, an die wir uns gewöhnt haben (und die wir machtlos kritisieren). Abschließend wäre es ein Fehler, einen solchen Wandel als gegenhegemonial statt als co-hegemonial zu verstehen. Frühe Beispiele für Veränderungen an den hegemonialen Darstellungen in Videospielen deuten darauf hin, dass der westlichen Hegemonie nicht so widerstanden wird oder sie ersetzt wird, sondern dass sie (vorerst) so weit ausgedehnt wird, dass neben ihr Platz für die chinesische Hegemonie entsteht.
