Neues transdisziplinäres Projekt zur KI-Governance in Afrika (AI PAN-AFRICANISM)
20. Mai 2026
Im April startete am ZeMKI eine neue internationale und transdisziplinäre Forschungsgruppe mit dem Titel „Fostering Digital Pan-Africanism in AI Governance through Evidence and Action“ (AI PAN-AFRICANISM). Das Projekt wird von der VolkswagenStiftung im Rahmen des Programms „Change! Fellowship“ gefördert und wird von Dr. Dennis Redeker geleitet. AI PAN-AFRICANISM betreibt Mixed-Methods-Forschung und entwickelt daraus dekoloniale, menschenrechtsbasierte und panafrikanische Frameworks für KI-Governance in Afrika, während es gleichzeitig transnationale zivilgesellschaftliche Netzwerke zur KI-Governance stärkt.
In einer Zeit, in der KI-Technologien Gesellschaften weltweit rasch verändern, befasst sich das Projekt mit einer dringenden Herausforderung: Wie kann sichergestellt werden, dass afrikanische Perspektiven, Prioritäten und Wissenssysteme sinnvoll in die globale und regionale KI-Governance integriert werden? Auf der Grundlage des Zusammenwirkens konzeptioneller Dimensionen der digitale Souveränität, des digital constitutionalism und der postkoloniale Theorie, insbesondere die Arbeiten von Kwame Nkrumah, zielt die Initiative darauf ab, einen dezidiert panafrikanischen Ansatz im Bereich KI-Governance voranzutreiben.
AI PAN-AFRICANISM bringt ein transdisziplinäres Team zusammen, das akademische Expertise aus den Bereichen Politikwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Rechtswissenschaft sowie etablierte Partner aus der afrikanischen und transnationalen Zivilgesellschaft vereint. Zum Forschungsteam gehören zunächst zwei Postdoktorandinnen – Dr. Adio Dinika, der das Projekt mitleitet, und Dr. Chiara Spiniello – sowie die Doktorandin Imane El Qochairi. Gemeinsam werden sie eng mit zivilgesellschaftlichen und akademischen Partnern in ganz Afrika zusammenarbeiten.
Partner des ZeMKI in diesem Projekt sind drei führende afrikanische und transnationale zivilgesellschaftliche Organisationen, die umfangreiche Erfahrung in den Bereichen der digitalen Grundrechte, Medienfreiheit und in der Advocacy-Arbeit mitbringen:
- Die Media Foundation for West Africa (MFWA), eine 1997 gegründete regionale gemeinnützige Organisation, ist eine der einflussreichsten NGOs für Presse- und Meinungsfreiheit in Westafrika. Mit beratendem Status (Consultative Status) bei den Vereinten Nationen und Beobachterstatus bei der African Commission on Human and Peoples’ Rights verfügt die MFWA über langjährige Erfahrung in der Förderung von Menschenrechten im Internet, des Zugangs zu Informationen und einer rechenschaftspflichtigen Regierungsführung.
- Media Rights Agenda (MRA) mit Sitz in Nigeria ist eine recht bekannte NGO, die sich für Medienfreiheit, Zugang zu Informationen und für Digital-Rechte in Nigeria und ganz Afrika einsetzt. Mit umfangreicher Erfahrung in den Bereichen Forschung, Advocacy und Capacity Building trägt die MRA zur Stärkung der Demokratie und zum Schutz der Grundrechte im digitalen Zeitalter bei.
- Die Association for Progressive Communications (APC) ist eine globale, föderierte NGO, welche sich für die Förderung einer menschenrechtsbasierten digitalen Governance einsetzt. APC bringt fundiertes Fachwissen in den Bereichen Politikentwicklung und Advocacy ein und arbeitet daran, neue KI-Governance Initiativen mit pan-kontinentalen Frameworks wie der KI-Strategie der Afrikanischen Union und regionalen Data Policy-Initiativen in Einklang zu bringen. APC legt Wert auf gerechte, transparente und lokal verankerte Ansätze zur KI-Governance.
Eng verbunden mit diesem Konsortium ist das Center for Intellectual Property and Information Technology Law (CIPIT) der Strathmore University mit Sitz in Nairobi als assoziierter akademischer Partner. Es ist international anerkannt für seine Arbeit in den Bereichen Technologiepolitik und Menschenrechte im digitalen Raum und hat kürzlich den East African AI Policy Hub ins Leben gerufen. Das CIPIT wird einen von drei Workshops zum Thema „Envisioning AI Pan-Africanism“ ausrichten. Darüber hinaus wird AI PAN-AFRICANISM von einem Beirat aus zwanzig namhaften Persönlichkeiten afrikanischer und globaler Menschenrechts- und KI-Governance-Organisationen unterstützt – darunter Forscher:innen, politische Entscheidungsträger:innen und Aktivist:innen.
Methodisch verfolgt AI PAN-AFRICANISM einen Mixed-Methods-Ansatz und ein innovatives Forschungsdesign. Es kombiniert qualitative und quantitative Ansätze, um sowohl institutionelle Dynamiken als auch die öffentliche Einstellung zur KI-Governance zu erfassen. Die Forschung umfasst Interviews und partizipative Workshops mit Vertretern der Zivilgesellschaft in ganz Afrika, was die gemeinsame Erarbeitung von Wissen und politikrelevanten Erkenntnissen ermöglicht. Darüber hinaus wird das Team systematische Analysen afrikanischer KI-Strategiepapiere auf nationaler, regionaler und (falls relevant) internationaler Ebene durchführen und regelmäßig veröffentlichen.
Über die Forschung hinaus legt das Projekt großen Wert darauf, die Ergebnisse in umsetzbare Maßnahmen zu überführen. Durch die Einbindung von Interessengruppen, durch politische Dialoge und Aktivitäten zum Wissensaustausch – etwa auf regionalen Policy-Konferenzen – zielt das Projekt darauf ab, politische Entscheidungsträger:innen, Akteur:innen der Zivilgesellschaft und regionale Institutionen bei der Gestaltung einer KI-Governance zu unterstützen, die afrikanische Prioritäten und Werte widerspiegelt. Mit seiner einzigartigen Kombination aus akademischer Exzellenz, zivilgesellschaftlichem Engagement und politischer Relevanz positioniert AI PAN-AFRICANISM das ZeMKI als wichtigen Mitgestalter globaler Debatten zur KI-Governance – und verstärkt gleichzeitig Stimmen und Perspektiven aus verschiedenen Regionen Afrikas.
Das Projekt „AI PAN-AFRICANISM“ begann am 1. April 2026 und läuft bis Ende März 2030.
