- Laufzeit: 2022 – 2027
- Projektleitung: Dr. Leif Kramp
Kooperationspartner (Co-Projektleitung): Dr. Stephan Weichert (VOCER Institut für Digitale Resilienz)
Der Forschungsfokus widmet sich der konzeptionellen Fundierung und empirischen Erschließung Digitaler Resilienz im Kontext fortschreitender tiefgreifender Mediatisierung des gesellschaftlichen Alltags und der Verbreitung Künstlicher Intelligenz im Besonderen. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass digitale Mediennutzung und mediale Produktionsbedingungen unter Bedingungen permanenter Krisenkommunikation, beschleunigter Plattformlogiken und algorithmischer Vermittlung neue Anforderungen an Individuen, Organisationen und demokratische Öffentlichkeiten stellen.
Im Zentrum steht die Frage, wie Mediennutzende und Medienschaffende unter diesen Bedingungen handlungsfähig bleiben. Digitale Resilienz wird dabei nicht als bloße Widerstandskraft verstanden, sondern als ein Mehrebenenkonzept, das individuelle Anpassungsfähigkeit, organisationale Lernbereitschaft und gesellschaftliche Gestaltungsmacht verbindet. Untersucht werden unter anderem Phänomene wie News Fatigue, mentale Erschöpfung durch dauerhafte Negativberichterstattung, ambivalente Vertrauensverhältnisse gegenüber digitalen Informationsangeboten sowie Strategien selbstbestimmter Mediennutzung.
Eine zweite Untersuchungslinie befasst sich mit den strukturellen Veränderungen journalistischer Arbeit unter KI-Bedingungen. Gefragt wird, wie Redaktionen Verantwortung verorten, Vertrauen sichern und Beziehungen zum Publikum gestalten können, wenn Recherche, Produktion und Distribution zunehmend algorithmisch vorstrukturiert werden.
Eine dritte, in Vorbereitung befindliche Forschungslinie verknüpft diese Perspektiven unter dem Begriff des KI-Empowerments. Sie analysiert die psychosozialen Ursachen von Widerstand gegenüber KI in Wissensberufen, die kulturellen Dimensionen erlebten Kontrollverlusts und die Voraussetzungen digitaler Souveränität in einer von algorithmischer Vermittlung geprägten Öffentlichkeit.
Methodisch verbindet der Forschungsfokus quantitative Repräsentativbefragungen, qualitative Interviewstudien und konzeptionelle Theoriearbeit. Ziel ist es, Digitale Resilienz als analytisches Konzept zu schärfen und zugleich anwendungsorientierte Beiträge für Medienpraxis, Bildung und Medienpolitik zu leisten.
Publikationen:
- Kramp, L., & Weichert, S. (2024). Resilienz in der digitalen Gesellschaft. Mediennutzung in Zeiten von Krisen, Kriegen und KI. Köln: Halem.
- Kramp, L., & Weichert, S. (2026). KI-Resilienz im Journalismus. Framework und Handlungsempfehlungen für mehr Vertrauen, Verantwortung und digitale Souveränität. Hamburg: BoD.
- Kramp, L., & Weichert, S. (2026). Lernbuch Digitale Resilienz. Wie Eltern und ihre Kinder souveräner im Umgang mit dem Internet werden. Köln: Halem.
