Aktionstag zum Tag der Pressefreiheit bei Radio Bremen: Was kann Journalismus und was müssen Journalist*innen heute leisten und aushalten?
30. April 2026
Im Rahmen der ARD Aktionstage und des Workshops “Wem glaubt ihr?” wurden Studenten:innen der Kommunikations- und Medienwissenschaft (KMW) am 28. April 2026 in das Funkhaus des Radio Bremen eingeladen.
Der ARD Aktionstag zum Tag der Pressefreiheit 2026 begann für Studierende der Kommunikations- und Medienwissenschaft im Profil- und Komplementärfach gemeinsam mit ZeMKI-Mitglied Dr. Philip Sinner mit einer Führung durch den Gebäudekomplex von Radio Bremen, insbesondere auch durch die Studios von 3nach9 und buten un binnen sowie zum Greenscreen Test. In der Digitalen Garage, im obersten Stockwerk und mit (wichtig) Dachterrasse, konnten die Studierenden in den Austausch mit Jung-Redakteur*innen und dem Redaktionshund treten. Dort wird Community Management betrieben und das Team betreut unter anderem die vielfältigen und reichweitenstarken Social Media Angebote von WUMMS mit knapp 3 Millionen Followern. Schnell wurde klar, wie spannend, vielfältig und anspruchsvoll das Tätigkeitsfeld ist. Aber auch wie offen und durchlässig eine Redaktion nach außen ist und welche Möglichkeiten es auch für Studierende gibt, ein Praktikum bei Radio Bremen zu machen oder über einen Studierendenjob in eine längere Beschäftigung einzutreten.
Im zweiten Teil des Aktionstages zum Tag der Pressefreiheit ging es dann um handfeste Themen, die alle Journalist*innen, insbesondere aber den öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit seiner Gebührenfinanzierung und dem konkreten Programmauftrag Tag für Tag beschäftigen: Wie muss heute guter Journalismus aussehen? Hat Journalismus noch eine Daseinsberechtigung? Welche Plattformen dürfen, müssen oder sollen bespielt werden, um vielfältige Zielgruppen zu erreichen? Kann der öffentlich-rechtliche Rundfunk gegenüber den Logiken der Plattform-Society und Algorithmisierung bestehen? Was bedeutet heute Vertrauen und wie kann es gehalten, gewonnen oder zurückgewonnen werden? Über diese und viele weitere Themen traten die Studierenden mit Frank Schulte (stellvertretender Chefredakteur), Thorsten Reinhold (Leiter der Online Redaktion) und Lisa Börgerding (Leitung Public Value) in den Dialog und brachten ihre Perspektiven und Vorstellungen ein. Dabei zeigt sich: Radio Bremen und der öffentlich-rechtliche Rundfunk machen einen guten Job und gelten als vertrauenswürdige Quellen. Aber es gibt auch Luft nach oben: So wünschen sich die Studierenden eine größere Themenvielfalt, die verstärkte Abbildung verschiedener Perspektiven und insbesondere eine größere Sichtbarkeit für junge Themen, nicht nur in Social Media und Online, sondern gerade auch zu den Hauptsendezeiten. Aktuell geht die Entwicklung jedoch ganz klar in Richtung Mediathek, ARD Sounds, Website und Social Media.
Darüber hinaus schlüpften die Studierenden aber auch in die Rolle von Journalist*innen und Community Manager*innen. Ziel war es herauszufinden, mit welchen Nachrichten und Kommentaren die Mitarbeitenden in ihrer Arbeit Tag für Tag konfrontiert sind und wie man mit solchen Inhalten umgeht. Gerade, da es auch zum Programmauftrag gehört, den Dialog mit den Rezipierenden zu halten und wenn möglich nicht abzublocken. Was ist hate speech? Wo beginnt (strafrechtliche relevante) Beleidigung und wann liegt ein Verstoß gegen die Netiquette? Wann und wie reagiert man auf Kommentare und zum Teil sehr persönliche Angriffe? Und wann muss die Kommentarfunktion doch abgeschaltet werden? Dabei machten die Studierenden einen richtig guten Job und argumentierten sehr reflektiert für ihre Entscheidungen. Gleichzeitig gab es viel über den Umgang mit Kommentaren in Social Media von den Expert*innen zu lernen.
Geplant war der Termin bis 16 Uhr, er endete jedoch um 17 Uhr. Eine deutliche Sprache für einen rundum gelungenen, lehrreichen und zugleich dialogfreudigen Tag bei Radio Bremen.
Mehr Informationen über die bundesweiten Aktionstage anlässlich des Tages des Pressefreiheit finden Sie auf der ARD Webseite.
